Neujahrskonzert 2012
„Winter, Frühling, Sommer, Herbst – mit Musik und Tanz durchs Jahr“
11. Neujahrskonzert des Internationalen Instrumentalwettbewerbes Markneukirchen e.V.
(gd) – „Solch ein Gewimmel möcht‘ ich seh’n …“ – Es war toll zu erleben, wie voll die große Musikhalle auch zu einem Konzert eines Sinfonieorchesters sein kann! Und die Musiker des Orchesters und die Erbauer der Riesengeige haben es verdient, denn sie und auch die Mädchen des Musical-Balletts des Gymnasiums Markneukirchen standen an diesem Abend im Mittelpunkt des Interesses.
„Ich bringe euch zum neuen Jahr die allerbesten Wünsche dar
und hoffe, dass es bis zum Ende euch lauter gute Tage sende.
Das neue Jahr hat grad begonnen, die ersten Vorsätze sind zerronnen –
Was soll’s! Es gibt jetzt kein Zurück – zum neuen viel Erfolg und Glück!“
Mit diesem kleinen Gedicht begrüßte Frau Bettina Weigelt die ca. 900 Gäste, darunter den Vizepräsidenten der Landesdirektion Chemnitz, Herrn Christoph Carl, Landrat Dr. Tassilo Lenk, das Mitglied des sächsischen Landtages, Herrn Andreas Heinz, die Bürgermeister Andreas Jacob und Klaus Herold und führte dann im Laufe dieses Abends in altbewährter Weise mit viel Hintergrundwissen und im charmanten Plauderton durch das umfang- aber auch sehr abwechslungsreiche Programm. (Vielleicht hätte das eine oder andere etwas gekürzt werden können?!)
Zu Beginn erklang von Julius Fucik der beschwingte Walzer „Winterstürme“, in dem sich das Orchester unter der bewährten Leitung seines Dirigenten Matthias Spindler so langsam warm spielte. Nach Ausschnitten aus dem Ballett „Der Nussknacker“ von Peter Tschaikowski begaben sich dann die Musiker auf eine „Musikalische Schlittenfahrt“, die dank der Firma ROHEMA mit genügend Glöckchen für die Pferde ausgestattet werden konnte. Das schellende Dreiergespann wurde hier ersetzt durch einige Musiker aus der letzten Reihe, die sich natürlich auch warm anziehen mussten.
Dem Motto dieses Abends folgend erklang nun „Der Winter“ aus „Die vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi, eines der vier Violinkonzerte mit außermusikalischem Programm, das an diesem Abend von dem Musical-Ballett des Gymnasiums unter der Leitung der Tanzpädagogin Christine Schramm (ehemalige Schülerin des Gymnasiums Markneukirchen) tänzerisch und mit interessanter Interpretation umgesetzt wurde.

So wurde z.B. mit kritischem Augenzwinkern der Konsumrausch vieler Menschen gerade vor Weihnachten betrachtet, während andere verhungern und erfrieren müssen! Auch der anschließende „Frühling“ wurde mit ansprechender Choreographie szenisch umgesetzt, und so war Vivaldis Komposition für die Konzertbesucher nicht nur ein Hör-, sondern auch ein Seherlebnis. Die Geigerin Cornelia Birke-Wölker vom Orchester des Theaters Plauen-Zwickau spielte souverän und ausdrucksstark den Solopart in allen vier Jahreszeiten.
Da in der Musikhalle für einen kurzen Augenblick der Frühling herrschte, erklang auch gleich noch von Johann Strauß der Walzer „O schöner Mai“ op. 375, ein musikalischer Ausblick auf die stets so sehr herbeigesehnte Jahreszeit.

„Riesengeige, Riesenbogen, Riesenidee und ein Riesenaufwand, aber auch eine Riesen-begeisterung und ein Riesenerfolg“ – mit diesen Worten kündigte Bürgermeister Andreas Jacob vor der Pause dann die von so vielen Leuten erwartete Präsentation der Riesengeige mit der extra für dieses Instrument komponierten „Rhapsodie für Riesengeige und Orchester“ op. 196 von Stephan König an. In bewegenden Worten schilderte er die Entstehung dieses einmaligen Instrumentes und stellte auch alle an Geige und Bogen beteiligten Handwerksmeister vor – für die 4,27 m große Geige: Andreas Hellinger, Udo Kretzschmann, Stefan Kreul, Karl-Heinz Langhammer, Hermann Ratz, Reinhard Renz, Thomas Rubner, Klaus und Frank Schlegel, Ekkard Seidl, Björn Stoll, Reiner Wilfer, Klaus Wunderlich und für den 5,22 langen Bogen: Matthias Hoyer, Steffen Kuhnla und Thomas Sattler. Jeder bekam als Dankeschön einen Blumenstrauß und einen Bierkrug mit dem Foto der Riesengeige und von den Zuhörern einen lang anhaltenden Beifall für diese Gemeinschaftsarbeit zum Wohl unserer Stadt.
Ein Dankeschön an dieser Stelle auch an Urs Hufenbach, Norbert Knappe und Hans-Georg Firker, die die Riesengeige bei ihrer Fahrt nach London und darüber hinaus musikalisch bzw. mit der Kamera begleitet haben. Aus den Aufnahmen sind mittlerweile dank der Unterstützung durch die Catgut GmbH mehrere DVD’s entstanden, die im Tourismusbüro Markneukirchen käuflich erworben werden können.
Nun erklang diese Rhapsodie, ein musikalisches Experiment, und ich habe selten solch konzentrierte Aufmerksamkeit des Publikums erlebt, alle wollten möglichst jeden Ton dieses Giga-Instrumentes mitbekommen. Die drei Handwerksmeister – Udo Kretzschmann griff oben auf dem Gerüst voll in die Saiten und Frank Schlegel und der geistige Urheber dieses handwerklichen Meisterwerkes, Ekkard Seidl, führten im Schweiße ihres Angesichtes den Bogen – wurden von Henry Schneider, Direktor der Stelzenfestspiele bei Reuth und Mitglied des Gewandhausorchesters Leipzig, mit einer Improvisation unterstützt, die dieser mit einem Oktobass-Bogen „dietro ponticelli“ spielte. Eine Musik, die viel Spaß bereitete und das Publikum zu einem Riesenapplaus „nötigte“. Nur schade, dass nicht alle Töne der Riesengeige gleich gut zu hören waren – ein Mikrofon zur Verstärkung des Klanges gegenüber dem Orchester wäre vielleicht besser gewesen; aber diese Kleinigkeit hat dieses Mega-Event in keinster Weise beeinträchtigt!
Nach der Pause überraschte das Orchester nach dem Medley aus Porgy and Bess von Georges Gershwin das Publikum mit einem Fußball-Sprechkanon, eine lustige Persiflage über die „echten“ Fußball-Fans. Ein weiteres Medley aus dem „Weißen Rössl“ von R. Benatzky und der Walzer „Sommerabend“ von Emil Waldteufel leiteten dann den „Sommer“ und „Herbst“ aus den „Vier Jahreszeiten“ ein – auch hier wieder in einer amüsanten Choreographie durch das Musical-Ballett tänzerisch dargestellt.
„Unter Donner und Blitz“ (J. Strauß) wurde der Schlussteil des Konzertes eingeleitet, der mit einem Filmmedley aus „Harry Potter“ und „Gershwin in Konzert“ ausklang. Der Radetzky-Marsch von J. Strauß (Vater), als Zugabe und „Rausschmeißer“, beendete diesen unterhaltsamen Abend.
So wie dieses Neujahrskonzert könnte das Jahr 2012 nun weitergehen, mit viel Schwung und Heiterkeit, mit Besinnlichkeit und Freude, aber auch mit viel Farbe und Kreativität, die hier wieder dankenswerter Weise von Katrin Geipel (Blumenhaus Am Roten Markt) mit einem wunderschönen Blumenschmuck umgesetzt wurde. Weniger geeignet dazu war wohl die etwas merkwürdige Licht-Show, die viele Zuhörer mehr geärgert als erfreut hat und wohl eher in eine Disco passt!
Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten vor, auf und hinter der Bühne, an den Dirigenten Matthias Spindler, der unser Orchester wieder sicher durch die musikalischen Klippen führte, an Christine Schramm und ihr Musical-Ballett, an die Geigerin Cornelia Birke-Wölker, an die 15 Handwerksmeister und nicht zuletzt an den Internationalen Instrumentalwettbewerb e.V. für diesen gelungenen Jahresauftakt!
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