46. Internationaler Instrumentalwettbewerb Markneukirchen 2011
„Im Wesen der Musik liegt es, Freude zu bereiten!“ (Aristoteles)
Preisträgerkonzert des 46. Internationalen Instrumentalwettbewerbes Markneukirchen
(gd) – Ein phänomenales Abschlusskonzert hat am Samstag, dem 14. Mai 2011, den 46. Internationa-len Instrumentalwettbewerb Markneukirchen beendet, und der Alltag zieht nun wieder in die Stadt und ins Rathaus ein. Doch was dieser Wettbewerb an Eindrücken und Begegnungen, Erlebnissen und musikalischen Genüssen gebracht hat, das wird in denen, die Teil dieses Musikfestes waren, – in den Teilnehmern, Juroren, Instrumentenbauern, Organisatoren und Zuschauern noch lange nachklingen! Was am meisten beeindruckte, waren wohl die Leistungen der jungen Musiker in den Fächern Violine und Kontrabass! Und die Besten konnte man noch einmal zum Preisträgerkonzert erleben und genießen.
Nachdem nun in diesem Jahr zum letzten Male die Festival-Fanfare von Gerhard Paul (1935-1996) erklang, begrüßte der Vorsitzende des Vereins Internationaler Instrumentalwettbewerb Markneukirchen e.V., Bürgermeister Andreas Jacob, die anwesenden Ehrengäste, u.a. Frau Prof. Sabine von Schorlemer, Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst; Prof. Julius Berger, Präsident des IIW Markneukirchen für Saiteninstrumente; Herrn Andreas Heinz, Mitglied des Landtages, Prof. Dr. Drechsler, Mitglied des Kulturbeirates des Kulturraumes Vogtland/Zwickau und Landrat Dr. Tassilo Lenk, die Sponsoren, Handwerksmeister und das musikinteressierte Publikum. Er bedankte sich bei allen Förderern und Helfern dieses großen kulturellen Ereignisses im Freistaat Sachsen und drückte seine Hoffnung aus, dass auch in Zukunft dieser Beistand bei der Organisierung und Durchführung des Instrumentalwettbewerbes nicht ausbleibt.
Im Anschluss ergriff Frau Prof. von Schorlemer das Wort und hob die Bedeutung dieser Musiktage in Markneukirchen für das „Musikland Sachsen“ hervor. Dieser Wettbewerb „dient der Nachwuchsförderung junger Instrumentalisten … Es könnte kaum passender sein, als dass der Internationale Instrumentalwettbewerb Markneukirchen hier in einem weltbekannten Zentrum des Orchesterinstrumentenbaus ausgetragen wird… Die Wurzeln dieses Wettbewerbes liegen auch in dieser langen und lebendigen Tradition begründet!“ Sie betonte, dass nicht nur die Sieger des Wettbewerbes Gewinner seien, sondern alle haben in der „besonderen Atmosphäre des sächsischen Musikwinkels“ gewonnen an „Erfahrung, Inspiration und Vernetzungsmöglichkeiten im anspruchsvollen Musikleben; insbesondere das Zusammentreffen vielversprechender Musiktalente mit Musikinstrumentenbauern, die auf lange, kunsthandwerkliche Tradition zurückblicken können, die Möglichkeiten, sich in Fachgesprächen auszutauschen, Kontakte zu knüpfen und sich gegenseitig zu inspirieren … ist Gewinn und Bereicherung für alle!“
Und dann trat der dritte Preisträger im Fach Violine, Da-Min Kim (Südkorea) auf und leitete mit seiner begeisterten und ausdruckstarken Interpretation der Sonate für Violine op. 27 Nr. 6 von Eugène Ysaÿe (1858-1931) wunderbar über auf die Grußworte von Prof. Julius Berger:
„Als gestern Abend im Finale die Französin Irène Duval das Beethoven‘sche Violinkonzert spielte, da wurde es plötzlich ganz still um mich… (alle) hörten gebannt zu. Auch in mir hat diese Aufführung Räume neu erschlossen. … In diesen Momenten…geschieht das, was die großen Dichter und Denker… immer wieder herbeigesehnt haben. Bei Eichendorff heißt es: „Die Luft ging durch die Felder, die Ähren wogten sacht, es rauschten leis‘ die Wälder, so sternklar war die Nacht. Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus‘…“. Wenn Interpreten der großen Meisterwerke der Musik oder eben auch die Kandidaten des Wettbewerbes durch eine Welle zum Geist des Werkes den Weg zu sich selbst finden, dann geschieht das Wunder, von dem Eichendorff spricht, das Wunder, das wir in unserem Leben so herbei sehnen und das wir brauchen! … Wir spüren in diesen Momenten, dass eben noch etwas im Spiel ist – der Mensch ist nicht allein!
Der Internationale Instrumentalwettbewerb hat in diesem Sinn Kandidaten für die Vergabe von Preisen gesucht, er hat Menschen gesucht, die uns innerlich bewegen. Die Preisträger aus Markneukirchen sind Weltspitze! … Ich danke hier ausdrücklich … den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Internationalen Wettbewerbes Markneukirchen – Glückwunsch, Sie haben uns beschenkt!“
Ein weiterer Dank ging an die Juroren für ihre „Fairness, Kompetenz und ihre Menschlichkeit“, und an Prof. Manfred Scherzer für die Stiftung des Max-Reger-Preises.
„Undenkbar wäre der Wettbewerb, hätte er nicht so eine vorbildliche und gleichzeitig liebenswürdige Organisation unter Leitung von Frau Carola Schlegel, hätte er nicht die Unterstützung des Landes, der Stadt, der vielen Instrumentenbauer und vieler weiterer Förderer!“ …
„Ein Beethoven’sches Violinkonzert ist zu keiner Zeit vollendet! Zu jeder Zeit müssen sich die Interpreten auf den schweren und lohnenden Weg zugleich machen, um einem letztlich unerreichbaren Ziel nahe zu kommen!“
Diese Worte von Prof. Berger haben viele Zuhörer und auch mich sehr bewegt, und deshalb habe ich sie hier so ausführlich wiedergegeben, weil sie so wunderbar den Geist der Musik und dieses Wettbewerbes wiederspiegeln!
Den ersten Teil des Abends beschloss der Südkoreaners Minjea Soung, 3. Preisträger für Kontrabass, der für den erkrankten Gewinner Jakub Fortuna (Polen) einsprang und das wunderschöne Konzert h-Moll für Kontrabass und Orchester von Giovanni Bottesini (1821-1889) mit viel Hingabe und Virtuosität spielte und verdient viel Beifall und Bravorufe erhielt.
Nach der Preisverleihung und einer kurzen Pause erklang dann vom 2. Preisträger im Fach Violine, Jakob Encke (Deutschland) Caprice d’après l’étude en forme de valse op. 52 von Camille Saint-Saëns(1835-1921)/Eugène Ysaÿe, in dem er die unterschiedlichsten Ausdruckformen mit großer Musizierfreude souverän gestaltete. Wies de Boevé (Belgien), 3. Preisträger (Kontrabass) lebte dann in Cadenza vom Finnen Teppo Haute-aho (*1941) seine ganze musikalische Experimentierfreudigkeit aus und zeigte überzeugend, was das Instrument Kontrabass alles hergibt.
Doch der Glanzpunkt dieses wunderschönen Abends war dann der mit so viel Spannung (Dank der Worte von Prof. Berger!) erwartete Auftritt der jungen Französin Irène Duval, die mit dem Konzert für Violine und Orchester D-Dur op.61 von Ludwig van Beethoven (1770-1827) die begeisterten Zuhörer förmlich verzauberte! Ihr Spiel in der Finalrunde war ja schon hervorragend, doch an diesem Abend konnte sie, frei von jeder Anspannung, gelöst aufspielen: Das Herz ging einem auf und die Seele … - naja, siehe Eichendorff!! Der 3. Satz war dann nur noch lauter Freude, und nachdem der letzte Ton verklungen war, gab es kein Halten mehr: standing ovations, Bravo-Rufe und minutenlanger Beifall machten die kleine, bescheidene Französin ganz verlegen und rührten sie. Frau Prof. Barbara Sanderling, Vorsitzende der Jury im Fach Kontrabass, äußerte sich nach dem Konzert ebenfalls überwältigt; so etwas habe sie noch bei keinem Wettbewerb erlebt!
Ja, da fehlen einem einfach die Worte! Deshalb sage ich nur: Danke für diesen Moment des Hochgefühls von Glück – „Sie haben uns beschenkt …!“
Und so gehen die Gedanken schon wieder voraus ins Jahr 2012, in dem vom 10. bis 19. Mai 2012 die Instrumente Horn und Tuba ausgeschrieben sind, und das wieder ein Höhepunkt und eine erneute Chance für unsere Stadt sein wird !
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