46. Internationaler Instrumentalwettbewerb Markneukirchen 2011
Die Preisträger im Internationalen Instrumentalwettbewerb Markneukirchen 2011 im Fach Violine stehen fest
(gd) – Nachdem einen Tag vorher gewissermaßen der große Bruder zu Tone kam, war nun am Freitag, dem 13. Mai 2011, die kleine Schwester, die Violine, an der Reihe, gemeinsam mit dem großen Orchester zu musizieren. Vier junge Violinvirtuosen, die sich nach drei harten Wettkampfrunden als die besten durchgesetzt hatten, spielten nun auch an der Seite der Vogtlandphilharmonie Greiz/Reichenbach unter der Leitung ihres Dirigenten Jiří Malát, der die Finalisten mit viel Einfühlungsvermögen durch die drei Sätze (Allegro ma non troppo – larghetto/attaca – Rondo-allegro) des wunderschönen bekannten Konzertes für Violine und Orchester D-Dur op. 61 von Ludwig van Beethoven (1770-1827) sicher bis zum Schlussakkord führte. Das Werk wurde 1806 in Wien uraufgeführt und gilt als Prototyp seiner Gattung. Noch einmal konnten nun die Finalisten ihr großes musikalisches Können unter Beweis stellen. Mit diesem Konzert werden sehr hohe Anforderungen sowohl in technisch-musikalischer als auch in physischer Hinsicht an die Solisten gestellt, denn es ist ein recht umfangreiches und schwieriges Werk, das lange Zeit als unspielbar galt!
Aber auch für die Orchestermusiker war es eine Herausforderung, denn sie mussten dieses Konzert am Nachmittag und Abend insgesamt achtmal spielen, deshalb an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Vogtlandphilharmonie! Um aber allen Beteiligten etwas entgegen zu kommen und auch aus Zeitgründen wurde mit der Jury, den Finalisten und dem Orchester abgesprochen, dass wenigstens der 1. und auch längste Satz dieses Violinkonzertes um die Wiederholung gekürzt wird.
Da-Min Kim aus Südkorea eröffnete die Finalrunde. Er wurde 1990 in Seoul geboren und erhielt seine musikalische Ausbildung am Conservatoire national supérieur de musique in Paris bei Roland Daugareil. Beim Internationalen Wettbewerb in Canetti sowie in Avignon gewann er jeweils den dritten Preis.
Ihm merkte man etwas seine Aufregung an, doch besonders im zweiten Satz zeichnete er sich durch eine sehr zarte und empfindsame Tongebung aus. Seine Interpretation war mehr auf Virtuosität ausgerichtet, so war seine technische Perfektion beeindruckend. An manchen Stellen – vor allem im ersten und letzten Satz – wirkte sein Spiel jedoch etwas überhastet und ging nicht immer mit dem Orchester konform. Aber dennoch eine erstaunliche Leistung für einen so jungen Geiger!
Als nächstes war dann Anne Schinz aus Deutschland an der Reihe. Sie wurde 1987 in Berlin geboren und erhielt mit 4 Jahren ihren ersten Geigenunterricht. Bereits mit 12 Jahren wurde sie als Jungstudentin an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin aufgenommen. Ab 2006 studierte sie an der Hochschule für Musik Freiburg bei Prof. Kussmaul und absolvierte erfolgreich ihr Bachelorexamen. Anne Schinz war Semifinalistin bei den Wettbewerben „Violine in Dresden“ und dem Internationalen Violinwettbewerb in Avignon. Im Juni 2010 gewann sie eines der heißbegehrten Stipendien der Orchesterakademie der Münchner Philharmoniker.
Auch sie beherrschte ihren Solopart souverän, spielte die schnellen Läufe und Kadenzen schön aus und wirkte gegenüber dem Orchester dominanter. Der zweite Satz war sehr schwärmerisch und weich gestaltet. Eine ansprechende Interpretation dieses schwierigen Werkes, wenngleich Anne Schinz in den schnellen Passagen nicht immer eine saubere Tongebung gelang.
Den gefühlten Höhepunkt des Abends erlebte man dann mit dem Vortrag der jungen Französin Irène Duval. Die 18-jährige Studentin aus der Normandie genoss ihre musikalische Ausbildung am Conservatoire national superieur de musique in Paris bei Roland Daugareil, Suzanne Gessner und Serge Pataud. Sie gewann den 1. Preis beim Concour International de Violon in Avignon 2009 sowie den 2. Preis beim Internationalen Violinwettbewerb in Mirecourt 2010.
Irène Duval glänzte mit einer wunderbaren, sehr ausdrucksstarken und spannungsvollen Interpretation; ihr Spiel war gekennzeichnet von ausgeprägter Dynamik, einer sehr abwechslungsreichen Tongebung und rhythmischer Exaktheit. Sie bildete stets eine homogene Einheit mit dem Orchester. Besonders das Larghetto war sehr innig und voller Seele! Eine überzeugende, souveräne Interpretation des einzigen Violinkonzertes Beethovens!
Jakob Encke, 1994 in Hannover geboren, beendete dann den friedlichen Wettstreit dieser vier hervorragenden jungen Musiker. Er ist mit noch 16 Jahren der jüngste Teilnehmer des diesjährigen Internationalen Instrumentalwettbewerbes Markneukirchen. Mit 4 Jahren begann er bei Peter Wiegand mit dem Geigenunterricht und lernt seit 2005 bei Professor Krysztof Wegrzyn an der Hochschule für Musik und Theater Hannover. Er absolvierte von 2004-2005 ein Frühstudium des Instituts für Frühförderung musikalisch Hochbegabter und schloss dieses mit der Note „Sehr gut“ ab. „2001-2005 nahm er mehrmals an „Jugend musiziert“ teil und gewann ausschließlich erste Preise. 2006-2010 erhielt er viermal den 1. Bundespreis der deutschen Stiftung Musikleben und 2007 den Förderpreis und den Litfin-Förderpreis der Stiftung „Jugend musiziert“.
Im Jahre 2009 erspielte er sich den Bruno-Frey-Preis der Landesakademie für Musikalische Bildung Baden-Württemberg sowie den GVL Sonderpreis „Jugend musiziert“. Sein Debut mit einem Orchester feierte er 2007 in Hannover. 2010 wurde er als zweitjüngster Teilnehmer beim TONALI10-Grand Prix in Hamburg 3-fach ausgezeichnet. Für dieses junge Alter eine beachtliche Aufzählungen von Preisen und Auszeichnungen!
Und so strahlte seine Interpretation bereits eine gewisse Professionalität und Routine aus. Souverän beherrschte er die schwierigen Passagen, besonders in den Kadenzen des ersten und dritten Satzes. Es sei aber wohl dem jugendlichen Alter geschuldet, dass etwas das gestalterische Element, die Emotionen fehlten! Und trotzdem beeindruckend auch dieser letzte Vortrag!
Dieses Finale war trotz der langen Dauer auf Grund der sehr unterschiedlichen Interpretationen und enormen Leistungen aller vier Finalisten sehr kurzweilig.
Nach einer ziemlich langen Beratungspause der Juroren Prof. Saschko Gawriloff (Deutschland), Prof. Suzanne Gessner (Frankreich), Prof. Min Kim (Südkorea), Prof. Petru Munteanu (Rumänien), Prof. Stephan Picard (Deutschland), Prof. Paul Roczek (Österreich), Prof. Jacqueline Ross (Großbritannien), Prof. Eduard Schmieder (USA) und Prof. Akiko Tatsumi (Japan), gab dann Prof. Julius Berger das Ergebnis bekannt und hob noch einmal die außergewöhnlichen Interpretationen der Finalisten hervor. „Es war ein schwerer Wettbewerb, den alle mit Bravour bestanden haben!“
1. Preis und „Manfred-Scherzer-Preis“
(Ehrenpreis für eine herausragende Reger-Interpretation) |
Irène Duval (Frankreich) |
| 2. Preis |
Jakob Encke (Deutschland) |
| 3. Preis |
Da-Min Kim (Südkorea) |
| 4. Platz |
Anne Schinz (Deutschland) |
Allen Preisträgern und Platzierten die herzlichsten Glückwünsche und alles Gute, Glück und Erfolg auf ihrem musikalischen Lebensweg. Möge ihnen dieser Wettbewerb viele neuen Eindrücke, Erfahrungen und interessante Erlebnisse und Begegnungen beschert haben und Ansporn sein für ihre weitere künstlerische Arbeit!
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