Internationaler Instrumentalwettbewerb Markneukirchen

PRESSEMITTEILUNGEN


„Richard Jacob und seine Instrumente“

(gd) – Unter diesem Thema fand am 10. Mai 2010 im Gerber-Hans-Haus in Markneukirchen ein interessanter und informativer Vortrag statt, der für alle Gitarrenbauer und – liebhaber eigentlich eine „Pflichtveranstaltung“ hätte sein müssen! Auch wenn der geplante Ablauf dieser Veranstaltung ganz kurzfristig wegen Erkrankung des Referenten Reiner Schubert aus Leipzig geändert und etwas improvisiert werden musste, so war doch dieser Abend, der ja im Rahmen der „Weißgerber-Tage“ (Sonderausstellung von Weißgerber-Gitarren im historischen Sägewerk; Konzert mit dem Weißgerber Gitarrenduo; Konzert mit dem „Weimarer Gitarrenquartett“ auf Weißgerber-Gitarren; Vortrag über Weißgerber-Gitarren; Kolloquium zu Leben, Werk und Wirkung des Gitarrenbauers R. Jacob „Weißgerber“ in der Fachhochschule; Gitarrenkonzert mit Thomas Müller-Pering zum 50. Todestag von Richard Jacob) stattfand, eine gelungene Reminiszenz an den großen Gitarrenbauer unserer Stadt.
Der vorgesehene Dia-Vortrag musste nun etwas abgeändert werden, und so wurden die ca. 30 Gäste dieser Veranstaltung aufgefordert, sich um den Laptop von Christof Hanusch aus Berlin, dem zweiten Referenten und Weißgerber-Experten, zu scharen, um die zahlreichen Fotos von Richard, Martin und Arnold Jacob, von ihrer Werkstatt in der Goethe-Straße, von der Arbeit, den Skizzen und Aufzeichnungen betrachten zu können. Es war zwar etwas mühsam, alles erkennen zu können, doch mit den Erläuterungen, die im netten Plauderton von Herrn Hanusch gegeben wurden, war es doch sehr interessant und unterhaltsam.

Ja, dieser Richard Jacob „Weißgerber“ war einer der bedeutendsten und innovativsten Gitarrenbauer des 20. Jahrhunderts, und man wollte es gar nicht so richtig glauben, welch Einfallsreichtum, Mut und Kraft er bis ins hohe Alter von 83 Jahren – er hat in seinem letzten Jahr bis kurz vor seinem Tode noch drei Gitarren fertiggestellt(!) – besessen haben muss, um diese Vielzahl der verschiedensten Modelle herstellen zu können! Er hat ständig experimentiert, ausprobiert, verworfen und weiterentwickelt
Die Ausführungen von Christof Hanusch wurden immer wieder einmal von Maria Jacob, der Enkelin des großen Gitarrenbauers, die an diesem Abend auch unter den Gästen weilte, gewissermaßen aus zuverlässiger Quelle ergänzt.

Im zweiten Teil dieses Abends ging es dann hinüber in das Sägewerk, wo im oberen Stockwerk vom Verein der Freunde und Förderer des Musikinstrumentenmuseums Markneukirchen e.V. die wunderbare, und für Markneukirchen wohl einmalige Ausstellung von Weißgerber-Gitarren organisiert wurde, und die noch bis zum 25. Juli 2010 geöffnet ist.
Dort stellte Christof Hanusch die ca. 60 Instrumente dieses großen Meisters mit kurzen Hinweisen auf bestimmte Details, auf Bauart und Verzierungen, auf Modell-Vorbilder usw. den Zuhörern vor und beantwortete auch immer wieder gern ihren zahlreichen Fragen.
Ich werde unbedingt noch einmal diese Ausstellung besuchen, um mir mit dem an diesem Abend erworbenen Wissen ganz in Ruhe nicht nur die Instrumente, sondern auch die zahlreichen Originaldokumente aus dem Leben und Wirken Richard Jacobs anzuschauen!
Es ist einfach traurig, dass es hier in der Heimatstadt von Richard Jacob keine ständige Ausstellung gibt, sondern in Leipzig, das ja nun gar nichts mit „Weißgerber“ zu tun hat!
Ein herzliches Dankeschön an Christof Hanusch und Heidrun Eichler, die die Ausstellung aufgebaut und diesen Abend vorbereitet und am Abend so unkonventionell improvisiert haben!