So kann’s weitergehen...!
(gd) Am 09. Januar 2010 fand das traditionelle Neujahrskonzert des Vereins Internationaler Instrumentalwettbewerb Markneukirchen mit dem Sinfonieorchester der Stadt und in diesem Jahr auch mit dem großen Chor des Gymnasiums Markneukirchen statt. Schon lange vor Beginn des Konzertes strömten die Menschen zur Musikhalle und füllten diese fast bis auf den letzten Platz. Es herrschte eine erwartungsvolle und fröhliche Stimmung unter den Gästen aus nah und fern, sie alle wollten den ersten musikalischen Höhepunkt im Jubiläumsjahr der Stadt Markneukirchen miterleben.
Und – um es gleich vorweg zu nehmen – was an diesem Abend dem Konzertpublikum geboten wurde, war aller Ehren wert und stand höchstens nur in der Professionalität dem berühmten Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker nach! Ja, so kann es weitergehen!
Es begann mit einer Premiere – mit der Jubiläums-Fanfare des jungen Studenten der Musik-wissenschaft und ehemaligen Schülers des hiesigen Gymnasiums, Sebastian Wildgrube. Sie wird die Festlichkeiten der 650-Jahr-Feier begleiten. Ein gelungenes kleines Musikstück, das gut den Charakter unseres Musikwinkels widerspiegelt!
Das Konzert stand unter dem Motto „Von Brahms bis Beatles“, und deshalb erklang als nächstes der berühmte „Ungarische Tanz Nr. 5“ von Johannes Brahms (1833 – 1897), ein Ohrwurm für Musikliebhaber und vom Sinfonieorchester wunderschön dargeboten. Die gelungenen Tempi-Wechsel, ein ausgewogener Orchesterklang und ein schwungvolles und mitreißendes Musizieren begeisterte das Publikum. Brahms hätte wohl seine wahre Freude gehabt!
Aber auch bei der anschließenden Polka „Unter Donner und Blitz“ von Johann Strauß (1825 – 1899) war den Musikern die Freude am gemeinsamen Musizieren anzumerken.
Es ging dann wieder mit Brahms weiter, und zwar mit seinen Liebeslieder-Walzern op.52. Sie beschreiben in heiterster Laune die vorehelichen Freuden der Liebe. Die Textgrundlage für diesen Zyklus von 18 Miniaturen bildete Georg Friedrich Daumers „Polydora“, eine Sammlung freier Übertragungen polnischer, russischer und ungarischer Volksdichtungen, die von vielfältigen erotischen Verlockungen erzählen. Es erklangen 5 Lieder daraus: „Rede, Mädchen, allzu Liebes“, „Am Gesteine rauscht die Flut“, „Ein kleiner, hübscher Vogel“, „Am Donaustrande, da steht ein Haus“ und „Nein, es ist nicht auszukommen mit den Leuten“. Ein schwieriges Vorhaben für den Chor des Gymnasiums und dem Sinfonieorchester, das aber von Lied zu Lied immer besser bewältigt wurde. Schade nur, dass der Chor stellenweise etwas wenig zu hören war. Vielleicht hätte die Tontechnik ihn besser aussteuern oder das Orchester etwas leiser spielen müssen!
Was wäre ein Neujahrskonzert ohne einen Straußwalzer! Und so erklang im Anschluss der Walzer op. 333 vom Walzerkönig Johann Strauß „Wein, Weib und Gesang“. Auch hier spürten man wieder den gestiegenen Musizieranspruch des gesamten Orchesters!
Der Walzer „An der schönen blauen Donau“ op. 314 wurde ursprünglich als Chorwalzer für den Wiener Männergesangsverein komponiert und am 13. Februar 1867 uraufgeführt. Im Jahr davor hatte der Krieg zwischen Preußen und Österreich mit der von Österreich verlorenen Schlacht von Königgrätz stattgefunden. Der Musikkritiker Eduard Hanslick bezeichnete den Donauwalzer schon 1874 als „Friedens-Marseillaise“. Als Abschluss des ersten Teils dieses Abends erklang er in einer sehr erfrischenden und mitreißenden Aufführung. Der Chor des Gymnasiums, das Sinfonieorchester Markneukirchen und vier Tanzpaare aus dem Gymnasium (sie wären per Kamera auf einer Video-Wand aber noch besser zu sehen gewesen!) gestalteten diesen wohl bekanntesten Walzer von Johann Strauß zu einem wunderschönen Erlebnis, und so war auch das Publikum begeistert und dankbar, und die einhellige Meinung in der Pause, in der wieder eine Runde Saft oder Sekt spendiert wurde: Eine gelungene und herzerfrischende „erste Halbzeit“!
Nach der Pause erklang nun Musik von Musical- und Popgrößen, und einmal mehr bewies das Orchester, dass es auch mit der „anderen Musik“ entsprechend „umgehen kann“! Eingeleitet wurde der zweite Teil wiederum mit einer „Fanfare for the Common Man“ von Aaron Copland (1900 – 1990) , intoniert von den Blechbläsern und den „Schlägern“ des Orchesters – wenn auch nicht jeder Ton exakt war, so war es doch eine eindrucksvolle Darbietung!
„The best of the Beatles“ – ein Medley bekannter Songs, arrangiert von Calvin Custer und für Chor eingerichtet von Michael Straube folgte. Gekonnt und gut aufeinander eingehend interpretierten Chor und Orchester die Songs „Got To Get You Into My Life“, „Michelle“, „When I’m Sixty-Four“ und „Get Back“.
Andrew Lloyd Webbers „Phantom der Oper” gehört wohl zu den bekanntesten Vokalwerken der Neuzeit und wird von Jung und Alt gern gehört. Das Gymnasium Markneukirchen hat ja in puncto Musical schon einige Erfahrung, und so konnte man auch an diesem Abend zwei Schüler, Beatrice Spranger und Lukas Streubel aus der Abiturstufe, mit dem Duett „All I Ask Of You“ aus diesem Werk hören. Der sehr ausdrucksvolle Gesang und ein gut auf die Solisten eingehendes, zurückhaltendes Orchester gingen wohl jedem Zuhörer unter die Haut! Es ist einfach immer wieder wunderbar mitzuerleben, wie junge Menschen für die Musik zu begeistern sind; wenn man sieht, mit welch einer Hingabe gesungen und musiziert wird! Besondere Anerkennung gilt deshalb auch den drei Musiklehrern des Gymnasiums Markneukirchen, Frau Gabi Nickel, Herrn Michael Straube und Herrn Dr. Enrico Weller, die neben ihrer umfangreichen und verantwortungsvollen Arbeit als Lehrer immer wieder Kraft und Zeit finden, die schwierigen Chorstücke mit den Schülern einzuüben, zu proben und sie zu motivieren. Es ist ihnen wunderbar gelungen – nicht nur die melodische Stimmgruppenqualität, sondern auch die rhythmische und textliche Deutlichkeit!
Und weiter ging’s mit Marvin Hamlisch (*1948). Von ihm stammt die Musik zu dem erfolgreichen Broadway-Musicals „A Chorus Line“. Daraus brachten Chor und Orchester den Titel „One“ in gekonnter Broadway-Manier zu Gehör.
Eine musikalische Herausforderung für das Orchester war dann das Duke-Ellington-Medley – Jazz-musik für ein Sinfonieorchester(!) – die mit Bravour und der nötigen Lockerheit gemeistert wurde!
Natürlich darf in diesem Reigen amerikanischer Komponisten der Name Irving Berlin (1888 – 1989) nicht fehlen. Vielen bekannt als Komponist der Weihnachtsmelodie „White Christmas“ und des Musicals „Annie Get Your Gun“. Mit dem Berlin-Medley „America“ mit sehr populären Melodien, wie z.B. „There’s No Business Like Show Business“, „Blue Skies“ oder „God Bless America“ ging das herrliche und sehr unterhaltsame Neujahrskonzert zu Ende, zum wiederholten Male gestalteten Chor und Orchester einen musikalischen Höhepunkt, der das Publikum zu standing ovation „provozierte“ und 3 Zugaben zur Folge hatte!
Natürlich gehört zu einem solchen Abend nicht nur die Musik, und deshalb möchte ich last but not least auch die schon gewohnt unterhaltsame und fachlich fundierte Moderation von Frau Bettina Weigelt und die vom Blumengeschäft Am Roten Markt (Inh. Kathrin Geipel) zur Verfügung gestellte Bühnendekoration erwähnen, die diesen wunderschönen Abend optisch vervollständigte.
Ein großes Dankeschön an alle Beteiligten auf und hinter der Bühne für diesen gelungenen Jahresbeginn! Ich freue mich auf das nächste Konzert!!
 
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